Trauma und Gesellschaft

####Appelle an Ohnmachtsgefühle beeinflussen Wähler*innen

Manche politische Parteien werben damit, dass sie potenzielle Wähler*innen aus deren (tatsächlichen oder suggerierten) Ohnmachtssituation herausführen können. Da wir alle mehr oder weniger traumatisiert sind, weckt diese Werbung starke Gefühle. Denn es werden damit starke Manageranteile angesprochen, die weitere Ohnmacht verhindern möchten. Gleichzeitig können verbannte Wut-anteile geweckt und politisch “nutzbar” gemacht werden.
Auf rationaler Ebene dringen dann Argumente Anders Denkender nicht mehr durch.

####Traumata beeinflussen, wie Menschen in der Gesellschaft interagieren können

“Traumata machen das System soziales Engagement funktionsunfähig und beeinträchtigen die Kooperation, das Geben und Nehmen nährender Zuwendung und die Fähigkeit, als Mitglied einer Gemeinschaft seinen Beitrag zum Wohle aller zu leisten.”

Bessel van der Kolk, Verkörperter Schrecken, Seite 414

Umgekehrt können nicht nur Krieg, Gewalt, Vernachlässigung u.a., sondern auch gesellschaftliche Verhältnisse traumatisieren bzw. ein bestehendes Trauma vertiefen.

Unsere Wirtschaftsordnung ist immer noch am Konkurrenzmodell ausgerichtet, obwohl keineswegs wissenschaftlich bewiesen ist, dass dies effizienter ist und dem Gemeinwohl dient. Es gibt Sieger und Verlierer (Personen wie Firmen), feindliche Übernahmen, “Fressen” und “Gefressen werden.” Dass die “Verlierer” dabei Traumata erleiden, liegt auf der Hand.

Inzwischen haben die Evolutionsforschung und die Psychologie entdeckt, dass der Erfolg der Spezies “Mensch” mehr auf Kooperation als auf Konkurrenz beruht.

Auf dieser Erkenntnis aufbauend, ist es notwendig, die gegenwärtige Wirtschafts- und Geldordnung, die nicht demokratisch legitimiert, sondern “gewachsen” sind, zu reformieren.

Dazu ein Zitat:

”…in den vergangenen drei Jahrzehnten haben Märkte und die Werte des Marktes eine Herrschaft über unser Leben übernommen, die sie nie zuvor hatten. Wir brauchen heute öffentliche Debatten darüber, wie wir die Märkte wieder in ihre Grenzen weisen können.”

Michael Sandel, in: DIE ZEIT. Wie soll ich leben? Philosophen geben Antwort (2014), 114

Die Wirtschaftsordnung verursacht viele Probleme. Leute, die viel Geld verdienen mit Öl, Kohle und Atomenergie wollen nicht, dass sich daran etwas ändert. Auch wenn es gefährlich ist und das Klima gefährdet. Die Finanzkrise zeigt, wie wackelig unser Bankensystem ist. Sie sollte sich nicht wiederholen. Trotzdem haben die Politiker viel zu wenig getan. Wir neigen dazu, Probleme zu verdrängen. Das hat auch etwas mit Trauma zu tun. Je mehr Traumata wir haben, desto mehr verdrängen wir sie.

Wenn wir jedoch an ihnen arbeiten, erkennen wir in uns die Anteile, die Hilfe brauchen. Und wir erkennen leichter, wo und wie die Wirtschafts- und Geldordnung Unheil anrichten.

In einer “Gemeinwohlökonomie” könnten nun die Werte gefördert werden, die unseren Grundwerten entspricht: Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation, Solidarität und Teilen.

Literatur und Podcasts

Christian Felber, Die Gemeinwohl Ökonomie (Buch)

Christian Felber, Geld. Die neuen Spielregeln. Eine alternative Geldordnung für eine faire Wirtschaft (Buch und E-book)

Christian Felber, Ethischer Welthandel - Alternativen zu TTIP, WTO & Co (Buch und E-Book)

Naomi Klein, Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima

Naomi Klein: Weniger ist mehr. Warum wir unser Wirtschaftssystem radikal ändern müssen - (SWR 2 Aula Interview vom 24. Mai 2015, mp3 Podcast )

Franz Ruppert, Wer bin ich in einer traumatisierten Gesellschaft? Wie Täter-Opfer-Dynamiken unser Leben bestimmen und wie wir uns daraus befreien. Klett-Cotta, 2018 - beleuchtet sehr gut die Wechselwirkungen zwischen der Gesellschaft und den traumatisierten Einzelnen

Webseite der Gemeinwohlökonomie - Zentrale in Wien

Gemeinwohlökonomie Initiative Stuttgart