IADC-therapie bei Trauer

Psychotherapeuten können trauernden Menschen helfen, eine innere Verbindung mit einem verstorbenen Menschen zu erfahren. Dadurch finden Betroffene zu neuer Klärung, Versöhnung und innerem Frieden mit denjenigen, die gegangen sind. Trauerschmerz kann sich auf neue Weise lösen. Die Methode, die diese Erfahrung ermöglicht, heißt “After-Death Communication” (IADC, deutsch: eingeleitete Nachtodkommunikation, womit eine therapeutische Kommunikation gemeint ist) und wurde 1995 von dem amerikanischen Psychologen Dr. Allan Botkin entdeckt. Seitdem ist das IADC von Dr. Botkin und einer wachsenden Anzahl von ihm in IADC ausgebildeten Therapeuten über viele Jahre in verschiedenen Bereichen mit sehr guten Ergebnissen angewandt worden. Die IADC-Methode folgt einem therapeutischen Vorgehen in mehreren Schritten und kann sowohl in fortlaufenden psychotherapeutischen Behandlungen als auch in wenigen aufeinanderfolgenden Einzelsitzungen eingesetzt werden.

IADC basiert auf der wissenschaftlich anerkannten Traumatherapiemethode EMDR, wurde jedoch in verschiedenen Punkten verändert. Deshalb gelten die Forschungsergebnisse, die die EMDR-Therapie unterstützen, nicht unbedingt für das IADC-Verfahren.

Es ist nicht wichtig und entscheidend, was Sie glauben, was wir glauben oder sogar, was derjenige glaubt, der eine Nachtoderfahrung erlebt. Die Erfahrungen mit der IADC-Methode bei sehr vielen Menschen zeigen, daß Trauma und Trauer mit anhaltender Wirkung verändert werden können. Die Methode ist wertvoll, weil sie hilft. Deshalb ist weder eine gemeinsame Vereinbarung über eine Theorie noch über ein Glaubenssystem nötig, das die Quelle des Phänomens erklären müsste. Durch die Möglichkeit, mit dem IADC-Verfahren Nachtodkommunikationen einzuleiten, kann menschliches Leiden erleichtert werden. Es gibt keinen größeren Schmerz im Leben als ein Kind, einen Ehepartner oder einen guten Freund zu verlieren und sich für immer von ihm getrennt zu fühlen. Wir verlieren einen Teil von uns selbst, wenn wir jemanden verlieren, der uns so nahe und wichtig war. Diese tiefen Schmerzen und dazugehörige Gefühle wie Ärger, Schuld und andere Emotionen, die durch den Verlust entstehen, können durch innerliche Wiederbegegnungen gelindert werden. Für den Weg durch die Trauer werden neue und oft überraschende Perspektiven eröffnet.

Nach vielen Jahren erfolgreicher IADC-Therapien mit Trauernden durch eine wachsende Anzahl von IADC-Therapeuten läßt sich folgendes feststellen:

Trauernde Menschen können mit Hilfe der IADC-Therapie die Erfahrung heilsamer Nachtodbegegnungen machen. Bei traumatischen Verlustereignissen (z.B plötzlicher Tod, Suizid) können die damit verbundenen belastenden Bilder und Emotionen gelöst werden. Dafür ist innere Bereitschaft und Stabilität, sich dem Trauerschmerz noch einmal zu stellen, Voraussetzung. Viele Menschen berichten dabei ähnliche Erfahrungen wie Menschen, die eine Nahtodeserfahrung erlebt haben oder eine spontane Nachtoderfahrung. Wir haben erfahren, daß beim IADC-Verfahren dieses innere Erleben heilsam ist, ohne über den Ursprung dieser Wahrnehmungen zu spekulieren. Eine mögliche Deutung und Integration bleibt in der Hoheit der Trauernden. Die IADC-Therapie stellt eine Methode bereit, die langanhaltendes Leiden vieler Menschen erleichtern kann. Übereinstimmende klinische Beobachtungen weisen darauf hin, daß die IADC-Therapie tiefe Trauer, die mit dem Verlust eines Angehörigen oder Freundes verbunden ist, anhaltend heilen kann. Dieser neue und vielversprechende Ansatz wartet auf die Ergebnisse unabhängiger und kontrollierter wissenschaftlicher Forschungen, die in den USA z.Zt. durchgeführt werden. Die IADC-Methode stellt Forschern darüberhinaus ein psychologisches Geschehen zur Verfügung, das Nahtoderfahrungen und spontanen Nachtoderfahrungen genügend ähnlich ist. Somit eröffnet sich die Möglichkeit, das Wesen all dieser Phänomene und die Gründe, warum sie Trauer lindern können, zu verstehen.

Anwendungsbereiche:

  • Trauerbewältigung (Trost …) und Integration Umgang mit Schuldgefühlen oder Scham (Aussöhnung: das gilt für Nahestende ebenso wie für Fremde (bspw. bei einem Unfall, bei Mitschulden oder auch ein Gefühl, nicht das richtige getan zu haben)
  • “Unerledigtes” in der Beziehung klären (vom Ungesagten bis zur Aufarbeitung von Misshandlungen)
  • Traumatisierungen bearbeiten (was auch die Umstände des Todes bedeuten kann)
  • Palliativmedizin und Hospizbereich: dies ist ein recht neuer Weg der Anwendung. Denn Erfahrungen zeigen, dass die IADC-Therapie im Besonderen auch in der psychotherapeutischen Begleitung alter, schwerkranker oder sterbender Menschen geeignet ist:
    • die Begegnung mit Verstorbenen als “innere Helfer”, wie wir Sie in der Hypnotherapie kennen, die den Schwerkranken / Sterbenden auf dem Weg begleiten und sehr kraftgebend sein können.
    • wenn es um ungelöste Trauer um jene geht, die schon vorausgegangen sind: dies kann den letzten Lebensabschnitt und die Einstellung auf das eigene Sterben belasten, während heilende Begegnungen ein Aussöhnung und das Annehmen des eigenen Alterns und Sterbens ermöglichen.

Literatur

Botkin, Allan, “Zwischen Trauer und Versöhnung. IADC: Therapeutische Kommunikation mit Verstorbenen - Heilung von Schuld und Trauma”, VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2009 - ein inspirierendes und Mut machendes Buch, zur Zeit leider vergriffen, nur gebraucht oder in Bibliotheken erhältlich, z.B. bei der WLB Stuttgart: Signatur 59 / 18124

Bill Guggenheim & Judy Guggenheim, Trost aus dem Jenseits: unerwartete Begegnungen mit Verstorbenen - Aus dem Engl. von Maja Ueberle-Pfaff

IADC-Therapie Allan-Botkin-Institut Deutschland