Psychopharmaka

##Verwendung

Der Gebrauch von Psychopharmaka ist selbst innerhalb der Ärzteschaft umstritten:

Dr. Bruno Müller Örlinghausen, klinischer Pharmakologe, Professor für Psychiatrie und Vorsitzender der Arzneimittelkommision der Bundesärztekammer, sagt: “Die Wirksamkeit von Antidepressiva ist schwach” und: “Wer mit seinen Patienten nicht sprechen will, soll auch keine Pillen verschreiben.” Er sorgte dafür, dass die letzte Aussage ins Buch der Arzneimittelkommision aufgenommen wurde.

Dr. Ulrich Schnyder, Professor für Psychiatrie in Zürich, sagte im Eröffnungsvortrag einer Fachtagung in Berlin: “Die Zukunft gehört der Psychotherapie.” Bei Ängsten und Depressionen ist die Psychotherapie längerfristig der Pharmakotherapie klar überlegen. Eine Freiburger klinische Studie zeigte, dass psychotherapeutisch behandelte Patienten nach 5 Jahren weniger depressive Symptome zeigten, leistungsfähiger waren sowie weniger Rückfälle hatten.

Antidepressiva etwa helfen bei leichten und mittelschweren Depressionen zwar 45% der Patienten, aber 35% helfen auch Placebos (Scheinmedikationen). Nach Absetzen der Medikamente kommt es jedoch leichter zu Rückfällen als bei psychotherapeutischer Behandlung.

Quelle: Radiosendung NDR-Info Logo, 7.12.2008

Im Blick auf die Aussagekraft von klinischen Studien ist zu bedenken, dass klinische Studien mit negativem Ergebnis in Europa - anders, als in den USA, wo es eine strafbewehrte Veröffentlichungspflicht gibt - häufig nicht veröffentlicht werden! Bei Antidepressiva wurden fast alle Studien veröffentlicht, die einen positiven Effekt nachweisen konnten, aber nur ein Drittel der Untersuchungen mit negativem Ergebnis.

Stuttgarter Zeitung, 28.4.2009, 15

###Absetzen bzw. Ausschleichen von Antidepressiva, insbesondere SSRI

Es gibt leider viele Hinweise, dass die „selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer“ (SSRI, Beispiele: Paroxetin, Fluoxetin, Citalopram beziehungsweise Escitalopram) und die „selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer“ (SNRI, Beispiele: Duloxetin, Venlafaxin) mehr oder weniger schwer wiegende Absetzsyndrome bewirken können, manche sprechen sogar von Entzugserscheinungen:

Wikipedia-artikel

https://www.der-arzneimittelbrief.de/de/Artikel.aspx?J=2015&S=65

[https://www.medizin-transparent.at/antidepressiva-absetzen]

https://www.stern.de/gesundheit/antidepressiva-der-koerper-spielt-verrueckt-3599466.html

Erfahrungsbericht mit Kommentaren

Kranke Seele, krankes Hirn? StZ-artikel von Christian Wolf 08.05.2013

Rezension des Buches “Felix Hasler: Neuromythologie. Eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung.”

Depressionen: Wem helfen Pillen? Text von Felix Hasler

Mittel gegen Depressionen als wirkungslos geprüft (Welt-online) (über die Wirkungslosigkeit des Antidepressiv-Wirkstoffes Reboxetin)

Leonardo - Wissenschaft und mehr- Schwerpunkt: Stimmenhören. Wenn die Seele sich zu Wort meldet, 23.9.2008 Traumata als mögliche Ursache von Stimmen hören. (Diagnose der Psychiatrie: Psychose / Schizophrenie) (PDF-Dokument)

Geheimsache: Pillentest (Manuskript zur Sendung Deutschlandfunk 03.06.2012) (PDF); Podcast (Mp3)

Gøtzsche, Peter C, Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität - Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert - sehr ausführlich, der Titel übertreibt (leider!) nicht. Mehrere Kapitel über Psychopharmaka

Ben Goldacre, Die Pharma-Lüge - Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen - gut recherchiert

Markus Grill, Kranke Geschäfte: Wie die Pharmaindustrie uns manipuliert - lesenswert

BRENNPUNKT: INTERESSENKONFLIKTE IN DER MEDIZINFORSCHUNG 1 Marionetten der Industrie (Spektrum.de Juni 2013)

Ärzte-Initiative MEZIS Mein Essen zahl ich selbst - streitet gegen die Einflussnahme von Pharmafirmen auf Ärzte

RxISK - eine unabhängige Website für Arzneimittelsicherheit - PatientInnen können Nebenwirkungen von Medikamenten melden und alle können in der umfangreichen Daten nach Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten suchen.

arznei-telegramm® - Seit über 40 Jahren informiert der Informationsdienst arznei-telegramm® über Nutzen und Risiken von Arzneimitteln - neutral und unabhängig, ohne Werbung und ausschließlich durch Abonnements finanziert. Sie können z.B. den Suchbegriff “Antidepressivum” eingeben und finden so eine Menge interessanter Meldungen dazu!

NeurologyFirst - Initiative deutscher NeurologInnen, die für die Unabhängigkeit medizinischer Fachgesellschaften von der Pharmaindustrie eintritt. Auf der Website gibt es Hintergrundinformationen über die Mechanismen der Marketing-basierten Medizin sowie Vorschläge zum Handeln für die Fachgesellschaften.

Transparency International Deutschland e.V. - Gesundheitswesen - Die weltweit bekannte Nichtregierungsorganisation ist in Deutschland auch im Bereich Gesundheit aktiv. Schwerpunkte sind Betrug, Intransparenz und strukturelle Korruption im Gesundheitswesen. Die Website bietet umfangreiche Dossiers zu den genannten Bereichen. Die Arbeitsgruppe Gesundheit arbeitet bundesweit.

TRANSPARENZ-KALENDER über Fortbildungen für Ärzte, Apotheker und andere Heilberufler - Von der Pharmaindustrie gesponserte Fortbildungen erhöhen das Risiko von Beeinflussung!

Podcasts und Videos

Bayern 2 B2 2013 04 05 0905 radioWissen Das Geschäft mit der Gesundheit (12,1 MB) - mp3-Datei

Video: Euros für Ärzte #StudioCorrectiv mit Jürgen Windeler CORRECTIV - >Der Leiter des IQWiG, Jürgen Windeler, erklärt, warum Anwendungsbeobachtungen wissenschaftliche wertlose Studien sind und welche Gefahren sie für Patienten haben können.

Video: Patientenstudien: Wie Ärzte doppelt kassieren | Panorama | NDR - Rund 100 Millionen Euro zahlt die Pharmaindustrie für Anwendungsbeobachtungen. Sind das sinnvolle Studien - oder dienen sie dazu, den Umsatz bestimmter Medikamente zu fördern?