Körperarbeit und Berührung

Bei frühen Traumata bzw. Bindungstraumata ist die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren, herabgesetzt. Außerdem ist das soziale Bindungssystem in Mitleidenschaft gezogen. Das heißt, ein Kind sucht nicht die Nähe zu seinen Bezugspersonen, wenn es in Not ist, weil diese Personen oft die Ursache des Leides waren. Weil diese Bezugspersonen dem Kind nicht helfen, seine Gefühle zu regulieren, sind die betroffenen traumatisierten Anteile des Kindes und später des Erwachsenen häufig übererregt. Darum arbeite ich in der therapeutischen Arbeit mit der Klientin / dem Klienten an der Regulierung der Gefühle.

  • Die einfachste Möglichkeit ist, tief und langsam atmen zu lernen. Dies bremst über den Parasympathikus die Übererregung.
  • Des weiteren fördere ich die achtsame Wahrnehmung von Körperempfindungen und Gefühlen im sicheren Hier und Jetzt. So kann die Regulationsfähigkeit gestärkt werden.
  • In Absprache mit der Klientin / dem Klienten kann Selbstberührung oder Berührung durch den Therapeuten sehr hilfreich sein. Die Berührung kann auf tiefer Ebene Sicherheit vermitteln, die zum Zeitpunkt des Traumas gefehlt hatte.
  • Das gleiche gilt - mit entsprechender Vorbereitung der beschützenden Anteile - für den Augenkontakt, der eine positive Erfahrung von emotionaler Nähe ermöglicht.

Die traumatisierten Anteile haben in der Regel “Einreden” / negative Glaubenssätze entwickelt. Beispielsweise: “Nähe ist gefährlich”.

Durch die oben beschriebene Arbeit wird der Weg bereitet für die Entlastung von den erwähnten “Einreden”. Am Ende wächst - auch durch die erfreuliche Erfahrungen - die Überzeugung, dass emotionale Nähe nicht nur ungefährlich, sondern bereichernd und wunderschön sein kann.
Für manche Klient/innen kann dies auch eine spirituelle Erfahrung sein.

Zu diesem Thema siehe auch van der Kolk, Bessel, Verkörperter Schrecken - Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann, 247-259