Kaiserschnitt 1

Es gibt einige zwingende Indikationen (medizinische Gründe) für einen Kaiserschnitt.

Allerdings gibt es auch erhöhte Risiken gegenüber der vaginalen Geburt (Quelle: Hildebrand, s.u.):

für die Mutter:

  • Gebärmutterentfernung x70
  • Verletzung von Nachbarorganen x 50
  • Infektionen, Sepsis x 11
  • später: Verwachsungen, Narbenbrüche, Narbenendometriose

für das Kind:

  • Stillprobleme
  • aufgrund fehlender Geburtshormone fällt der Aufbau der Mutter-Kindbindung beiden Seiten schwerer
  • Störung der Darmflora (das Kind wird nicht mit den natürlichen Keimen der Mutter, sondern mit Krankenhauskeimen infiziert)
  • Atemprobleme
  • Allergien, Asthma
  • Diabetes Typ 1
  • seelische Folgen (s.u.)

Die Forschungen der pränatalen Psychologie haben gezeigt, dass Mütter, die eine vaginale Geburt ablehnen, oft eigene negative Geburtserfahrungen haben. Dies kann sich über mehrere Generationen hinziehen.

Es ist für Mutter und Kind sinnvoll, daran therapeutisch zu arbeiten, um dem Kind eine möglichst natürliche Geburt zu ermöglichen. Wenn Sie darüber mehr erfahren möchten, können Sie sich gern an mich wenden.

Mögliche seelische Folgen für das Kind nach einem Kaiserschnitt

Grundsätzlich gilt: negative Erlebnisse des Kindes inklusive der seelischen und körperlichen Befindlichkeit der Mutter werden im Kind im sog. “impliziten Gedächtnis”, man spricht auch vom “Körpergedächtnis” abgespeichert.

Dies kann bereits mit der Zeugung beginnen, z.B. wenn Zwang oder Gewalt im Spiel ist.

Normalerweise gibt das ungeborene Kind mit Hormonen das Signal, dass es zur Welt kommen möchte. Daher ist ein geplanter Kaiserschnitt für das Kind ein Schock .

Es (möglicherweise auch die Mutter) erlebt einen Kontrollverlust, das Gefühl von Ohnmacht. Dies kann später zu einer passiven oder überaktiven Lebenshaltung führen.

Es kann mit Hypervigilanz (übersteigerte Wachsamkeit) reagieren, mit Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, mit Traumaweinen.

Weitere Infos: Traumata bei Kaiserschnitt

Der “bessere” Kaiserschnitt
  • Das Kind kann durch einen Mutter-Kind-Dialog auf den Kaiserschnitt vorbereitet werden. (In einer Untersuchung drehten sich durch diese Kontaktaufnahme 7 von 10 Kindern, die eine Steißlage hatten, in die Kopflage.)
  • Gut ist es, wenn der Kaiserschnitt erst nach spontanen Wehen durchgeführt wird.
  • Äußere Reize (Licht, Geräusche) sollten minimiert werden. Ein Moment der Stille täte gut.
  • Sofortiger Hautkontakt zur Mutter oder, wenn das nicht möglich ist, zum Vater
  • Alle notwendigen Maßnahmen mit Sanftheit und liebevollem Zuspruch

Wenn Sie ein Kind bekommen (wollen) und selber eine traumatische Geburtsgeschichte haben und daran arbeiten möchten, können Sie sich gern an mich wenden.

Literatur

Sven Hildebrandt u.a. (Herausgeber), Kaiserschnitt: Zwischen Traum und Trauma, Wunsch und Wirklichkeit

Entwurf des „Stolpener Programms zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Kaiserschnitt“

Kaiserschnitt - Link zu Beratungs-Adressen bei Kaiserschnitt-netzwerk.de

Wie es gelingen kann, die Kaiserschnittrate zu senken - 5 Interviews. - Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V