Mikrotraumata

Im Gegensatz zu Einzel-Ereignissen, die zu einer psychischen Überlastung führen, gibt es auch Ereignisse wie z.B. Beschimpfungen, negative Prophezeihungen, die nicht im Einzelnen traumatisch erlebt werden, die aber in der Summe und durch Wiederholung traumatisch wirken.

Ein US-Psychiater, Brian Weiss, schreibt dazu (2005, S. 41):

“Was ich noch nicht ganz begriffen hatte, war, dass die ständige, tagtägliche Einwirkung vor negativen Einflüssen, wie zum Beispiel die beißende Kritik eines Elternteils, viel mehr psychischen Schaden anrichten kann, als durch einen einzigen traumatischen Anlass verursacht wird. Weil sie sich im alltäglichen Hintergrund unseres Lebens verlieren, ist es sogar noch viel schwieriger, sich an diese schädlichen Einflüssen zu erinnern und sie auszuteilen. Ein ständig kritisiertes Kind kann genauso viel Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl einbüßen wie eines, das sich daran erinnert, an einem spezifischen, schrecklichen Tag gedemütigt worden zu sein. Ein Kind, dessen Familie wenig Geld hat und täglich an der Nahrung sparen muss, wird mit der Zeit vielleicht unter denselben technischen Problemen leiden wie eines, das ein zufälliges Erlebnis hatte, wo es beinahe verhungerte.
Bald würde ich erkennen müssen, dass die tagtäglichen Schläge negativer Kräfte mit derselben Aufmerksamkeit erkannt und aufgelöst werden müssen, wie sie einzelnen traumatischen Ereignissen eingeräumt wird.”

Diese wiederholten Mikrotraumata untergraben bzw. verhindern eine sichere Bindung zwischen Kind und der Bezugsperson.

Link: https://www.depression-erding.de/2018/11/25/bindungs-traumatisierung-gespraechsabend-mitte-november/